Home   Vita   Galerie   Texte   Allerlei   Kontakt   Rechte
  1987-92  Nach vorn schauend, Tripel und andere
Frühe Arbeiten zwischen Schwarz und Weiß Frühe Arbeiten auf Papier auf Leinwand
Tripel Tripel und andere Weiße 9 Meditationen über ein Ei

9 Meditationen über ein Ei
Nach vorn schauend Nach vorn schauend
Alexander Kühn bewegt sich mit seiner Malerei seit jeher zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion. In beide Richtungen läuft sein Arbeitsprozess, jeder Gang hinterlässt Spuren, verdeckt und öffnet, bringt den Künstler mit seinem Fühlen und Denken ins Bild ein.
Seine Sujets sind alltäglich, Mensch, Tier und Haus, wobei weniger der Gegenstand als solcher, sondern seine Sublimierung bedeutsam ist.
Kühn entrückt seine Gegenstände, verschleiert sie, spannt sie ins Bildrechteck mit einer Vielzahl von Übermalungen ein.
Ihr gegenständlicher Charakter kippt um in die abstrakte Chiffre. Das Selbstverständliche und Bekannte erfährt eine Überhöhung,
wird zum Unbekannten. Waren es früher Schriftbilder, deren Worte unleserlich wurden, dann Materialstrukturen, die ihre Stofflichkeit verloren,
so sind es heute Ritzzeichnungen, die Fragmente von Dingen zu sein scheinen.
Im Laufe weniger Jahre reduzierte sich die Farbigkeit zu Grau-Schwarz-Weiß-Klängen,
der Raum versank in nebelartiger Helle oder mattem Schwarz,
die Wesen wurden zu Schemen, wirken wie fossile Fundstücke, Abdrücke in versteinertem Schlamm oder Notizen aus ferne Kulturen.
Die Stille früher Zeiten, die Entrücktheit und verlorengegangene Einfachheit haftet allen Bildern von Alexander Kühn an.
Seine Bilder sind groß, nicht um zu beeindrucken, sondern um einzuhüllen, den Betrachter zu umgeben, gefangenzunehmen
und in eine andere Welt zu entrücken.
Die Archaik dieser Werke spekuliert nicht auf einen emotionalen Bonus, wie es viele Gestaltungen zeitgenössischer expressiver Malerei vorführen.
Sie ist auf Reduzierung gerichtet, die sich nicht in den Dingen selbst findet, sondern hinter ihrer Erscheinung zu existieren scheint,
die sie zum Rätsel ohne Lösung macht. Erinnerungen werden wach an die Byzantinischen Aufzeichnungen von Erich Kästner, wo es heißt:
Die Welt-Ausrechnung, Allmacht der Neuzeit . . . will alle Dinge entsiegeln.
Im Freiraum der Kunst, wenngleich er folgenlos wurde, versiegeln sie sich wieder.
Je mehr wissenschaftlicher Aufschluß, desto verschlossener erwiesen sich die Dinge. Sie trotzen. Sie sehen den einzigen Fluchtweg,
wenn sie überhaupt einen sehen: Umziehen ins Rätsel.
Das Labyrinth ihrer Wohnung. Die Dinge verrätseln sich. Es ist nur noch ein Rätsel, das Rat gibt.
W. Beuermann (1988)
Tripel 9 Meditationen über ein Ei Nach vorn schauend